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TELEROMANTIK


Ich bin ein Romantiker. Romantiker unterscheiden sich vor allem von den "Pragmatikern" durch ein scheinbar gestörtes Verhältnis zur Zweck-/Mittel-Relation. Man hält uns für Träumer, die sich von "der" Wirklichkeit verabschiedet haben. Für die vielen "Nicht-Träumer" gilt, dass vor allem nur deren "Zweck" die Mittel zu heiligen scheint. Für die Romantiker indes fehlt dabei aber die orientierende Zielbestimmung.

Versteht man die Romantik falsch, dann denkt man nur an das reine wirklichkeitsfremde "Wünschen" während das vernünftige Denken in einem Überschwang der Gefühle abhanden gekommen zu sein scheint. Dabei zeichnet sich gerade die Deutsche Romantik als historisches Vorbild durch gründliches Denken und weniger durch das implizit auch enthaltene "liebende" Schwärmen aus. In der Romantik verbanden und verbinden sich hoffentlich noch heute der Wunsch zusammen mit dem Denken. Aktuell würde man dies vielleicht besser "wishfull thinking" nennen, wenn nicht auch dieser Begriff bereits diskreditiert wäre.

Ein Mensch ohne Wünsche ist wie ein Fisch ohne Wasser. Gemeinhin nennt man das Autopoiese. Ein Mensch braucht einen Willen, wenn er sich als Geworfener des Schicksals in seine Welt orientierend einüben und individuell sein Sein als ein Sosein (Heidegger) kreativ gestalten, und handelnd auf einem eigenen Weg vom Ich zum Selbst sich in der Gemeinschaft individuell als Person verorten und damit "festlegen" will.

"Wahrheit ist, was uns verbindet!" (Jaspers)

Vor diesem Hintergrund heiligt das vernünftige Wünschen nur im Rahmen der frei gewählten Gemeinschaftlichkeit den jeweiligen Zweck als ein Ziel; und erst dann kann auch das Mittel den Zweck heiligen. Der Utilitarismus hat deshalb vor allem den "Nutzen" ins Spiel gebracht. Nützlich ist das, was konform geht mit solch einem "höheren" Ziel, ohne dieses selbst als ein Nirwana zu diskreditieren. Solche Ziele, die abstrakt unbestimmt sind und deshalb konkret human gewählt werden müssen, sind der nur human orientierende Boden, der den Maßstab des in stetem Nebel stochernden menschlichen Handelns ausmacht, ohne deshalb jemals allgemeingültig "objektiv" zeitunabhängig bestimmt werden zu können.

Den hohen Impetus, den ich in der frei gewählten Gemeinschaft sehe, ohne dabei meinen individuellen Willen unvernünftig preis zu geben, verbinde ich persönlich mit meinem Konzept der Teleromantik, weil sie es mir ermöglicht, mich auch im geographischen Nahraum - mobil in gewisser Weise "nachhaltig" eingeschränkt - dennoch universell regional wie mondial zu vernetzen, und somit den Gehalt meiner hoffentlich vernünftig gewählten Wahrheit auch sozial universell im Idealbild einer weltweiten Gesellschaft zu überprüfen vermag, um mein eigenes Handeln daran immer wieder neu auszurichten. Dies schließt den individuellen Irrtum und Fehler in der Konstruktion natürlich mit ein, da alles, was der Mensch zu überblicken und zu leisten vermag "kontingent" bleibt (Luhmann).

Teleromantiker kämpfen für preiswerte und allgemein zugängliche Kommunikationsmittel, die nicht als Wertschöpfungsmaschinen für große Kapitalien missbraucht werden dürfen.

Noch vor Jahren wurden Forderungen von mir nach Einführung der sogenannten Flatrates als weltfremd zurückgewiesen, inzwischen gehören diese zum normalen Angebotsrepertoire in der Telekommunikation und werden als Mischkalkulation natürlich pervertiert. In den 90er Jahren wollte niemand ein solches Konzept verfolgen und die Deutsche Telekom verwies dabei immer auf das "mangelnde Interesse" an solchen Tarifen.

Die Verbilligung und Vergünstigung der Telekommunikation ist aber von grundsätzlicher gesellschaftlicher Bedeutung, weil telekommunikative Beziehungen zwischen Menschen nicht mit Geld bestraft werden dürfen und günstige Infrastrukturen einen wichtigen Beitrag zur Modernisierung von Gesellschaften leisten. Der allgemeine gesellschaftliche Trend geht heute noch immer genau in die gegenteilige Richtung: Kommunikation und Unterhaltung werden eindimensional als zu bepreisende Wirtschaftsgüter und gewinnbringender Motor der gesellschaftlichen und sozialen Entwicklung begriffen. Die direkte Bezahlung versteckt sich hinter den "Tantiemen" der Werbung, für die der Konsument erst am Ende der Wertschöpfungskette seinen Obulus zu leisten hat. Die dabei erbrachte monetäre Wertschöpfung wird fälschlicherweise nur in die Steigerung des Wiedervermarktungswertes nur leicht modifizierter und mehr oder weniger etablierter Kommunikationssysteme wie des Telefons oder des Fernsehens als "neue Medien" verlegt.

Teleromantiker wollen und sollen hier gegensteuern. Der wirtschaftliche Impuls sollte und könnte genauso gut von der von allen Grundnutzern erwünschten Steigerung der zusätzlichen netznahen Mehrwert- und Ergänzungsdienstleistungen ausgehen. Intelligente Beobachter, wie die Teleromantiker, erwarten aber eben gerade nicht von den "Infrastruktur-" und "Service-Branchen" der Medien und der Telekommunikation die Erneuerung unserer Volkswirtschaften, sondern sie sehen den jeweils entscheidenden Impuls in den logistischen Leistungen für die tradierten Wertschöpfungsfelder, die nur im Licht und im Kontext der neuen Medien effektiver produzieren, kreativer entwickeln und somit für innovative Produkte außerhalb der Medien- und Kommunikationsdienstleistungen sorgen können.

Die notwendige ökologische und kulturelle Revolution unserer umfassend wirtschaftlichen und privaten Lebenswelt findet in erster Linie eben nicht innerhalb der neuen Medienunternehmen statt sondern nur auf der Basis von deren Hilfs- und Unterstützungsleistungen für die älteren und medial grunderneuerten "Gewerke", so wie die Mathematik eine Hilfswissenschaft für die Ingenieurwissenschaften ist. Politiker meinen aber durch die parasitäre Besteuerung z.B. des UMTS-Einführungsprozesses in Form von Lizenzen Zukunftsindustrien in die finanzielle Gesamtverantwortung für staatliche Aufgaben einbinden zu können, so wie in den USA sogar in den 60er Jahren der Vietnamkrieg über das Telefon und das Fernsehen offen querfinanziert wurde.

Die Ökonomie krankt an der Fehlleistung der alten Infrastrukturpolitiker, die beispielsweise stark wachsende Umsätze in der Mobilkommunikation und die damit verknüpften Profite nicht als gigantischen indirekten Umverteilungsbetrug enttarnen wollen und offen in andere Branchen und Felder umzulenken vermögen. Sie reduzieren vielmehr in dümmlichster Manier alle Erwartungen und Hoffnungen auf mehr Rationalität und eine intelligente Entwicklung unserer Volkswirtschaften auf Initiativen zur Förderung des Wachstums dieser medien- und kommunikationszentrierten Randsektoren als den Ort einer vernünftigeren Zukunft als auf eine allgemeine Nachhaltigkeit und ökologisch verantwortbare Zukunft für Natur und Mensch zu setzen. Die Digitalisierung von Welt wird zu einer Chimäre, die uns vor den wirklichen Aufgaben der Neugestaltung aller wirtschaftlichen technischen und sozialen Möglichkeiten im Einklang von Mensch und Natur blendet.

Das wirtschaftliche Potential einer ökonomisch freien und sozialen Grundversorgung für alle hingegen würde auf die anderen kulturellen ökonomischen und politischen Bereiche außerhalb der Telekommunikation entsprechend positiv ausstrahlen, und einen wesentlichen Beitrag für die zukünftige allgemeine wirtschaftliche weltweit gerechte Prosperität darstellen. Kommunikative Grundleistungen, wie das Telefonieren und der reine Grundversorgungszugang zu Fernsehen und Internet ohne Mehrwertangebote sollten deshalb vom Staat oder von privaten Unternehmen nutzungsunabhängig und im Zugang für alle gleich - entweder zu einer festen Gebühr oder auf der Basis einer geringen Kommunikationssteuer – auf Dauer gewährleistet werden.


"Bildung für alle" hat die modernen Gesellschaften möglich gemacht. Jetzt bedeutet soziale Gerechtigkeit auch Kommunikationsgerechtigkeit und einen von der gesamten Gesellschaft finanzierten Grundzugang zu elektronischer Kommunikation und Information. Intensive Kommunikation und medienvermittelte Unterhaltung sollten für Einzelpersonen nicht deshalb schon ausgeschlossen sein, weil man sich diese nicht leisten kann, und umgekehrt sollten sie nicht nur deshalb gesucht werden, weil die finanziellen Verhältnisse eine üppige aber häufig auch unnötige oder gar psychisch schädliche Nutzung erlauben.

Die Schwachen, aber auch Kinder und Jugendliche, müssen vor deren Missbrauch in einer einseitig gewinnorientierten Medien- und in Monopolen organisierten Kommunikationsindustrie geschützt werden. Ambivalent zu beurteilen ist natürlich die Tatsache, dass die Verteuerung mancher Medienangebote bei suchtartiger Hypernutzung den "Drogenkonsum" über den Preis negativ herunterzuregulieren vermag. Ein hoher Preis, wie neuerdings durch Pay-TV und Kabelfernsehen für den suchtmachenden Stoff Fernsehen und die Abzocke der sozial Schwachen durch oft eher sittenwidrige Geschäftsbedingungen in der Telekommunikation, hat die Süchtigen in anderen Lebensbereichen aber auch nicht auf Dauer vor krankhaftem Hyperkonsum geschützt und die Abhängigen darüber hinaus oft noch zusätzlich kriminalisiert. Genau diese Momente finden sich inzwischen in der teilweise sogar "Über"schuldung durch teure moderne Mobil- und Sexualkommunikation in der modernen nur pseudohaften "Kommunikations"gesellschaft gerade auch bei Kindern und Jugendlichen wieder. Das Hauptproblem bleibt aber die dramatische Verbilligung des sozial Unvorteilhaften und die daran geknüpfte Verschwendung von Lebenszeit im Sog allzu billiger und wenig vernunftfördernder Produkte.

Obwohl mehr Kommunikation nicht zwingend die gleichen negativen ökonomischen und ökologischen Belastungen mit sich bringt wie mehr Straßenverkehr, kann nicht geleugnet werden, dass es in einer modernen Kommunikationsgesellschaft immer auch das individuelle Phänomen "falscher" und schädlicher "Überkommunikation" gibt, das nur durch gezielte "Dekommunikation" und rationales Kommunikationsmanagement auf der Basis von besserer Identifikation (des "Anklopfenden" und des Kommunikationsanlasses), mehr Direktheit (durch die klare unvermittelte Ansprache des gewünschten Adressaten) und weniger Unmittelbarkeit (durch realtime entlastende Kommunikationspuffer) bewältigt werden kann.

All dies hat sich inzwischen als Option auch in der Technik der neuen Netze durchgesetzt, aber für viele der sinnvollerweise notwendigen Techniken muß häufig als Mehrwertdienstleistung groteskerweise zusätzliches Geld ausgegeben werden. Hier ist der Staat herausgefordert, um stärker regulierend statt deregulierend einzugreifen.

Teleromantiker denken insofern dem herrschenden Trend entgegen und können auch mit der politischen "Isolation" leben und überleben, in die sie die großen Koalitionen der Dummheit zu treiben und abzudrängen versuchen.
 

 
     
   

http://www.ulrichthomaslange.de/Texte/TeleromantikimMultimediamix.PDF