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Licht und Hoffnung in 2025:

Das Begehren begehren!
Nicht Geld, nicht Macht und auch nicht Prominenz
als ein scheinbarer Weg dorthin sollten uns leiten
sondern das Begehren der Anderen.


Quelle: Moses und die zehn Gebote

Die korrupteste und hoffnungsloseste Religion aller Religionen, der Katholizismus, will uns in einem neuen Jahr des Lichtes die Hoffnung lehren. Ist es aber schon deshalb falsch? In meiner Denkwelt nennt man das Dialektik, wenn aus dem Falschen das Richtige, aus dem Bösen das Gute und aus der Dummheit die Vernunft erwächst.

Indem die Kirchen die mystischen Wahrheiten verklärten, die sich auf Offenheit für Veränderung der Welt durch das herkunftsbewußte Kulturwesen Mensch in stetem Kampf zwischen Sieg, Niederlage und seinem Bindeglied "Hoffnung" bezogen, und uns insofern im Gebet mit uns selbst und nicht in der Anbetung von Götzen zur persönlichen Verantwortung für unseren Ausstieg aus dem Schicksal aufriefen, setzten sie ihre Regeln als quasi mosaische Gesetze in die Welt.

Keine Religion ohne Gesetze, aber eben auch kein Staat ohne Gesetze. Religiöse nur kontemplativ fundierte und somit willkürliche Gesetze geben sich unwandelbar, staatliche Gesetze hingegen unterliegen im Idealfall den demokratischen Regeln in ihrer Entstehung.

Schon das erste Gebot der mosaischen Religion, nach dem es keinen anderen Gott neben dem jeweils monotheistisch erwählten geben soll, wie immer er oder "sie" auch heißen mag, fordert zur Intoleranz gegenüber den Andersgläubigen auf. Der Monotheismus schafft sich ganz einfach Feinde und bekämpft sie zumindest mit verbalen, wenn nicht sogar mit grausam kriegerischen Mitteln. Sollte es einen Jesus gegeben haben, so bin ich nach den Zeugnissen für ihn selbst gewiss, dass er kein einfacher Monotheist gewesen ist oder wäre.

Während das zweite und dritte Gebot, Gott und die Eltern zu ehren, und weder ihren Namen noch sie selbst zu mißbrauchen, eigentlich positiv als Angebote des respektvollen, aber auch angenehm gelassenen, friedlichen und ehrenvollen Umgangs auch der Generationen miteinander interpretiert werden könnten, lassen sich diese genauso als intolerantes reines starres fixiertes Beharren und ekstatisch stumpfe besinnungslose Verehrung des vergangen herkünftigen Gegebenen uminterpretieren (platonisch abstrakt universell idealisiert mit "Gott" im "Himmel" und auf Erden verklärt durch die stete Besinnung auf die Herkunft und die unantastbaren, hehren, scheinbar nicht auch zu kritisierenden Eltern).

Dabei ruft doch das vierte Gebot unmittelbar danach, das sogenante Feiertagsgebot, geradezu zwingend zum entspannteren ruhigen und "huldvolleren Gang" durch den zumindest dann freien "siebten" Tag auf. Aber warum die Befreiung von Zwang und Herkunft nur auf diesen Tag beschränken? Der Alltag wird durch seine Abgrenzung vom "Feiertag" selbst entwertet. Im Idealfall sollten doch alle Alltage Feiertage sein.

Gegen das fünfte Gebot, nach dem der Mensch nicht töten soll, wurde seit Anbeginn der Menschheit durch die grausame Wirklichkeit aller ursprünglichen Naturwesen, zu denen eben auch der Mensch in gewisser Weise prähistorisch gehört, karikiert. Natur, die aktuell so gerne fälschlich verklärt, idealisiert und verharmlost wird, "tötet", und der Mensch, so der positive Aufruf dieses Gebotes, hat nur die weitestgehende "Chance" sich von einem Leben durch Tötung durch eine Kultur des Nicht-Tötens zu verabschieden und zu befreien, soweit es seine eigene Gattung aber eben nicht die Natur "an sich" betrifft.

Dramatisch wird es beim sechsten Gebot, das mit dem "Ehebruch", eigentlich den Vertrauensbruch unter den sich liebenden und dadurch gleichberechtigten Partnern vermeiden sollte, und doch durch die Kirchen stattdessen zum Verzicht auf das allgemeine erotische Begehren uminterpretiert wurde, das dann das Leben im Extrem so steril und lustfeindlich macht. Gerade im Begehren von Anderen liegt die urmenschliche Gemeinschaft begründet, die durch das Postulat und den Aufruf zu einer selbst erwählten "Einsamkeit" der überhöhten Priester der Religionen so pervertiert wird. Den Anderen zu begehren, das habe ich ja mit Buber an anderen Stellen in diesem Blog ausführlich beschrieben, ist umfassend und sozial gemeint. Nur der in dieser Hinsicht geradezu perverse Katholizismus reduziert dieses Gebot auf das Verhältnis zwischen Mann und Frau.

Kleiner Exkurs dazu: Aktuell wird immer häufiger und sicher auch in gewisser Weise zu recht eine aufgeklärte Moderne und Reformation des Islam im Westen als "arabischer Frühling" erhofft und sogar eingefordert, während sich viele Seelen des Westens längst im Herbst der Gefühllosigkeit füreinander und voneinander bigott verabschiedet haben. Ehen können bekanntermaßen mehr als steril sein, wenn die Partner in ihr nicht immer wieder das Begehren füreinander entfachen können; und die zu strikte äußere Grenzziehung zum vielleicht fruchtbareren Nach(t)bargarten der Träume und Phantasien entzweit Menschen viel eher als sie aneinander zu "binden". So wird am Ende sogar das lebendige Ich und Du der jeweils Beteiligten miteinander gänzlich zerstört.

Der Westen hat sich nach seiner "sexuellen Revolution" neuerdings in einer primitivierten prüden Neoklassik der Treue um jeden Preis verloren. Die alte Klassik bestach durch die scheinbare "Schönheit" und Linien abstrakter Geometrien. Die wahre Schönheit des Menschen aber, auch wenn diese nicht singulär ist, und natürlich in den Augen der betroffenen BetrachterInnen liegt, ist unsere Fähigkeit gerade im Unperfekten die Chance und den Reiz seiner Andersartigkeit zu erkennen. Darauf kann und sollte sich unser Begehren richten. Wir sollten im Westen kultiviert dazu lernen, dass nicht die von der Wirklichkeit abgezogene verschönte Kopie sondern das Original als Unikat die volle Qualität von Wirklichkeit ausschöpft. Gerade wir Männer sollten deshalb erstreben und er-leben, nicht den Abzieh- und Ausziehbildern abstrakter "Göttinnen" zu frönen, sondern uns auf das tatsächliche Begehren unserer Gegenüber lernend einzulassen. Das Verbot von Bildern des Göttlichen wie des Menschlichen im Islam mag makabere Formen angenommen haben, wohl ebenso wie das besitzergreifende Verschleiern der Frauen, aber der Grundgedanke, uns nicht zu Sklaven unserer Bilder zu machen, ist durchaus richtig. Schön ist eben einfach oft nur "ganz anders".

Heimlich neidvoll schauen viele auch im Westen auf die starr autoritären Familienstrukturen im fundamentalistischen Islam, wünschen sich stabile und intakte Ehen statt Patchwork-Familien und Scheidungsopfer. Die autoritären Patriarchen kriechen deshalb nicht nur in Arabien sondern auch bei uns aus ihren Löchern; und Frauen, die ihnen ebenso hörig zu sein scheinen, übernehmen in diesem Prozess der falsch verstandenen rechtskonservativen Re-Islamisierung westlicher Seelen (wie bei der AfD, den Neofaschisten in Italien bzw. Frankreich oder den minderkomplexbeladenen Ost-Oligarchen) sogar führende Rollen; dabei war doch der rebellische kluge Feminismus eine der zentralen Säulen der Erneuerung des demokratischen Familienlebens. Weibliches Begehren bringt die männliche Sexualität vom einfachen patriarchalischen Ejakulat auf das Level der Erotik, die die Primitivität nur männlicher Gier in ein neues "integriertes" Konzept des "Spielens miteinander" eingebettet hat.

Ganz albern wird es nun beim siebten Gebot, Du sollst nicht stehlen, wenn Institutionen wie die Kirchen, Firmen oder Parteien und ihre Repräsentanten, aber eben leider auch undemokratische Staaten bzw. Regierungen, und inzwischen darüber hinaus gerade auch die Pseudoeliten von VIP und Prominenz auf allen Gebieten des Lebens "uns" (darunter im Gemeinwesen leidenden betroffenen BürgerInnen bzw.Opfern) zwar noch juristisch legal, aber dennoch ökonomisch systematisch infrastrukturell ganz einfach "bestehlen". Gerade hier hat das individuell persönliche Begehren in Hinsicht auf soziale Gerechtigkeit, wenn auch nicht mit einem Blick auf die ungleich machende "Gleichheit", seine rebellisch und revolutionär herausforderndsten Wurzeln.

Wenn, wie im achten Gebot, das falsche Zeugnis gegenüber den Nachbarn ausgeschlossen werden soll, dann gilt es in Zeiten von interessengeleiteten Fake-News doch um so mehr das Begehren in Hinsicht auf die Meinungsvielfalt wirklicher Wahrheiten einzufordern. Tabus und Zensur sind die Freunde der Kirchen und gern gesehene Verbündete der Religionen.

Besonders ist aktuell in Gefahr, nach dem neunten Gebot, gemäß dem man nicht des Nachbarn Haus begehren soll, der legitime, allzu normale angemessene private Besitz. In einer Hysterie der Terror-Vermeidung wird das persönliche und von der Öffentlichkeit allzu notwendig - bis zu gewissen Grenzen - abkoppelbare Reich des intimen Geheimen beobachtet, kontrolliert und mit unangemessenen Regeln und fremden Akteuren durchsetzt. Der "gute Wille" ist dabei nur selten der "richtige Weg". Begehren sollte man stattdessen die Einforderung des Grundsatzes des Grundgesetzes daß Eigentum verpflichtet; und zwar vor allem die großen Firmen-, Staats- und Kircheneigentümer. Das Nähere und noch Unbestimmte dabei, das eigentlich Bundesgesetze hätten ausfüllen sollen, ist vielfach ausgeblieben. Die Nutznießung großer relativ individueller Vermögen sollte insofern ebenso begehrlich auf gemeinnützige Beine gestellt werden, ohne deshalb auf individuelle kontrollierte Entscheidungen im Rahmen eines marktorientierten aber nicht monopolisierten Eigentums zu verzichten. Wie fürchterlich ist es aktuell geworden, dass wir oft selbst - angesichts eines rigiden und finanziell und ökonomisch Menschen ausgrenzenden Wohnungsmarktes - beginnen uns gegenseitig auch nicht privilegierte Wohnverhältnisse einander zu neiden.

Das zehnte Gebot schließlich, nach dem man nicht begehren soll des Nachbarn Frau, Knecht, Magd oder Vieh (genau in dieser Aufzählung ;-)) sollte sich insofern ganz überlebt haben, da der Besitz der weiblichen Produktionsmittel längst kulturell in deren Eigentum übergegangen ist, und auch der hinterwäldlerischste Populist sich wohl kaum mehr traut diesen Anspruch des Begehrens als "Besitz des Weibes" öffentlich so zu propagieren. Nicht einmal Tiere - schon wegen ihrer autopoietischen Eigenarten - lassen sich gänzlich besitzen. Man mag Menschen umfassend begehren, aber wenn überhaupt dann doch wohl nur als die stete "Begegnung" mit ihnen. Alles andere bestraft die Gesellschaft zu recht als kriminell.

 

(Quelle: Lucas Cranach, 10 Gebote)

Das Begehren aus der Gier geboren ist so unzivilisiert wie der Schlag mit der Steinaxt auf die Beute, wenngleich auch diese Handlung historisch zur Menschwerdung notwendig war. Das Buch des Begehrens sollte stets neu geschrieben werden. Das Begehren muß vom sozialen Gourmand zum sozialen Gourmet streben. Der kulturelle Wohlstand ist zu einem relativ fixen "Stand" geworden, den man bei uns meint vor allem modisch per Architektur, Auto oder Gewand nur noch für Dritte sichtbar fast schon wieder feudal zu bekleiden. Er, der Mensch ist selbst zum Manufaktum geworden, für die die luxuriösesten oft unnötigsten Waren-Accessoires entstehen.

Der Feind des Wohlstandes bei uns scheint nun die Schuldenbremse geworden zu sein. Dabei macht es doch durchaus Sinn aus Vorsicht und Rücksichtnahme in gefährlichen Situationen zumindest im Verkehr auf die Bremse zu treten. Doch das meint der eher senile furchtsame Wirtschaftsliberale nicht. Für ihn ist die Bremse des bedachtsamen Handelns mit dem Ziel weniger gefährdet in die Zukunft zu gleiten zu einer Feststellbremse des Status Quo geworden, bedient von denen, die statt Träumen und Hoffnungen, Geld, Macht, Gier und Profit als einzige Skala ihrer Werte übrig behalten haben. Das Begehren "derer da unten" nach einer gewissen Grundsicherung ihres Lebens wird als unangemessen und dabei maßlos überzogen betrachtet und sollte (so Lindner und Merz) auf ein Minimum beschränkt werden. So wird der philosophisch sinnvolle und erforderliche Minimalismus der Wohlstandsgesellschaft des "weniger ist oft mehr" in eine Denunzierung der Armut verwandelt. Hat das auch der Katholizismus mit dem neuen Jahr des Lichtes und der Hoffnung gemeint? Wohl nicht, sollte man Papst Franziskus, den ich trotz aller Differenzen sehr verehre, zubilligen.

Ja, die Kirchen und deren Immobilien sollten unter angemessener Berücksichtigung des Denkmalschutzes zu wirklichen Wohnstätten nicht der Götter sondern der Menschen in Besinnung auf ihre Möglichkeiten und Grenzen mit sich und der Natur werden.

Frieden den privaten Wohnungen, und "Krieg" den religiösen und wirtschaftlichen Palästen ob in Rom, New York, Dubai, Abu Dhabi, Mekka, Moskau, Paris, Berlin oder Shanghai. Dazu bedarf es keines neuen Katalogs abstrakter Gebote sondern konkreter Gesetze, und die sind eben oft nicht nur pure Bürokratie sondern Instrumente des förderlichen staatlichen Schutzes von Schwächeren gegenüber den wirtschaftlich Starken und deren oft perverser Interessen. Sollen sie doch zum Mars fliegen, diese Mogule der Hochmut, und das sogar möglichst schnell. Gebraucht aber werden neue mutige und kreative Investitionen und letztere insofern fast schon unbegrenzt nützlich begehrenswert. Das richtige Begehren will eben erlernt und darüber gemeinsam entschieden werden. Das ist die richtige "fordernde Demut" und nicht die bigott demotivierenden Gebetsmühlen der Kirchen, die das Begehren der dazu berechtigten Menschen immer wieder zu begrenzen versuchten.

Dazu sehr lesenswert:

"Ob Christentum, Judentum oder Islam - alle monotheistischen Weltreligionen sind Kinder einer Revolution: die Ablösung der vielen Götter durch den alleinigen Gott. Diese Umwälzung brachte für unsere Vorstellung von der Welt, für unser Menschenbild und für unsere Ethik fundamentale Veränderungen mit sich. Dass der Kultur- und Religionstheoretiker Jan Assmann sie zugleich als Quelle von Intoleranz, Gewalt, Hass und Ausgrenzung sieht, macht seinen Essay zu einer explosiven Provokation."